Lehm – der Baustoff mit Tradition und Zukunft – Lass dich verzaubern!
Ganz gleich, ob es darum geht, die Innenwände zu verputzen, den Schallschutz zu verbessern oder die Wärme im Raum zu speichern – Lehm ist einer der vielseitigsten Baustoffe überhaupt. Überdies verbessert er die Luftqualität und reguliert die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise. In diesem Beitrag zeigen wir, woraus Lehm besteht, wo er sich einsetzen lässt und welche Vorteile – und Grenzen – er im Bau hat.

Lehm – uralt und bewährt
Lehm gehört zu den ältesten und erprobtesten Baumaterialien unserer Welt (etwa seit 8000 v. Chr.) und ist ein Kulturerbe fast jeder Zivilisation. Hoch atmungsaktiv und rein mineralisch, wurde er bis heute in Wohnräumen vieler Kulturen verwendet. Er lässt sich wunderbar gestalten, sogar als Kunstwerk: von der glitzernd schwarzen Wand über feine Farbtöne bis zur neutralen weissen Fläche ist alles möglich. Dazu ist er schalldämmend, brandhemmend und elektrostatisch neutral.
Woraus besteht Lehm? Zusammensetzung aus Ton, Sand und Schluff
Lehm besteht aus einer Mischung von Ton, Sand und Schluff, wobei Gewichtung und Zusammensetzung je nach Region variieren. Das Verhältnis beeinflusst Qualität und Verarbeitbarkeit: Lehme mit hohem Tonanteil sind «fett», haben eine starke Bindungskraft und sind weniger durchlässig. Lehme mit wenig Ton sind «mager», binden schwächer und sind durchlässiger.
Lehm ist nahezu überall zu finden, wodurch er regional leicht verfügbar und umweltschonend abgebaut werden kann. Es lohnt sich, in der eigenen Region nach Gruben zu suchen, die Lehm anbieten.
Lehm oder Ton – wo ist der Unterschied?
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber nicht dasselbe. Ton ist ein feinkörniges, plastisches Mineralgemisch – der Bestandteil, der bindet und formbar macht. Lehm hingegen ist das natürliche Baumaterial, das aus einer Mischung von Ton, Sand und Schluff entsteht. Vereinfacht gesagt: Ton ist der «Klebstoff», Lehm die gebrauchsfertige Mischung.
Der Tonanteil entscheidet über die Eigenschaften. Reiner Ton bindet zwar sehr stark, schwindet und reisst beim Trocknen aber deutlich. Erst die Beimischung von Sand und Schluff macht Lehm rissarm und gut verarbeitbar. Deshalb sprechen wir am Bau von «fetten» (tonreichen) und «mageren» (tonarmen) Lehmen.
Anwendungsbereiche von Lehm im Bau
Mit Lehm lässt sich eine Vielzahl an Elementen bauen. Ideal in unserer Klimazone sind Arbeiten im Innenbereich – etwa ein Innenputz zur Aufwertung des Raums, der Putz und Farbe zugleich sein kann. Auch die äussere Gebäudehaut, die Fassade, lässt sich mit einigen Tricks in Lehm ausführen; sie muss dann entsprechend vor Regen geschützt werden.
Ebenso lässt sich mit dem Material eine Wandheizung erstellen: Die Heizröhrchen werden – ähnlich wie im Boden – an der Wand befestigt und im Lehm eingebettet.

Wie wir in der Baustube Lehm anwenden
Lehm ist unser bevorzugtes Material zur Verschönerung von Innenoberflächen. Wir sind seit vielen Jahren von diesem natürlichen Baustoff begeistert und setzen ihn immer dort ein, wo er gewünscht wird.
Verputzen von Wandoberflächen
Lehm bietet die Möglichkeit, beeindruckende Oberflächen zu gestalten. Durch verschiedene Korngrössen, Verpressungsarten und individuelle Handgriffe der Handwerker entstehen einzigartige Wandstrukturen. Eingefärbter Lehmputz wirkt natürlich beruhigend und schenkt den Augen eine angenehme Ruhe. Wer mineralische Oberflächen mag, findet auch in Kalk als Baumaterial eine verwandte Möglichkeit.
Auch im Bad
Auch in feuchten Räumen verwenden wir Lehm für Wände, die nicht direkt mit Spritzwasser in Berührung kommen. Im Idealfall bauen wir im Nassraum eine Wand mit Lehmbauplatten ein. Dadurch beschlägt der Spiegel weniger, weil die Wandoberflächen die zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen.
Für Wandheizungen
Der Baustoff eignet sich perfekt zum Verputzen von Wandheizungen. In der Schlossmühle in Aarau haben wir zwei grosse Flächen erstellt, in denen sich Heizschlaufen im Lehmputz verbergen. Die beheizten Wandflächen begeistern die Besucher immer wieder – man wird zu jeder Jahreszeit mit einem angenehmen Raumklima empfangen.
Für Risse in Holzkonstruktionen
Treten in alten Holzbauteilen Risse auf und sollen diese für eine luftdichte Barriere geschlossen werden, empfiehlt sich Lehm mit Zusätzen als Paste. Er eignet sich ideal zum Ausfüllen von Fugen sowie zum Reparieren von Rissen und Lücken in Holzbalken oder Fachwerken.
Eigenschaften von Lehm: Wärme, Schall und Strahlung
Ein praktischer Wärmespeicher. Durch seine hohe Dichte speichert Lehm Wärmeenergie hervorragend. Mit einer spezifischen Wärmekapazität von 1000 J/(kg·K) reguliert er die Temperatur langsam: Im Winter speichert er Wärme, im Sommer sorgt er für angenehme Kühle.
Schallschutz. Mit einer Rohdichte von rund 1600 kg/m³ eignet er sich gut, um Schall zu schlucken.
Schutz vor Strahlung. Lehm wirkt dämpfend auf Strahlung aus elektronischen Quellen.
Klimaregulierung in Innenräumen
Lehm übernimmt die wichtige Aufgabe, Raumklima und Luftqualität zu regulieren. Er steigert die Anzahl negativ geladener Luft-Ionen im Raum, was sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken kann. Er ist atmungsaktiv und absorbiert Feuchtigkeit – synthetische Baustoffe können das nicht und versiegeln die Wände, was bei zu hoher Feuchtigkeit zu Schimmel führen kann. Wie man solche Schäden erkennt und saniert, zeigen wir im Beitrag Schimmelpilzschäden erkennen und sanieren.
Steigt die Luftfeuchtigkeit durch Duschen, Kochen, Atmung oder Schwitzen, nimmt Lehm sie auf und speichert sie. Wird es wieder trockener, gibt er sie erneut ab. So bleibt die Luftfeuchtigkeit konstant und pendelt sich über die Zeit zwischen 45 und 60 Prozent ein. Lehm kann rund neunmal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Gips und bindet zudem Gerüche aus der Luft.
Nachhaltig und gesund
Weil Lehm in Gewinnung und Verarbeitung sehr wenig Primärenergie verbraucht, ist er von Anfang an nachhaltig. Er kommt ohne Kunstharze, Kleb- oder Konservierungsstoffe aus, auch Biozide sind nicht nötig. Muss er entsorgt werden, kann das sogar im Hausgarten geschehen. Damit passt Lehm ideal zu unserem Anspruch an ein gesundes Raumklima.
Da Lehm wasserlöslich ist, lässt er sich einfach reparieren: Ein kleiner Schaden ist rasch selbst behoben. Um farbliche Übergänge muss man sich keine Sorgen machen, solange noch etwas von der verwendeten Mischung vorhanden ist.
Vorteile und Grenzen von Lehm
Damit du Lehm richtig einsetzen kannst, lohnt sich der ehrliche Blick auf beide Seiten.
Die Vorteile: Lehm reguliert Feuchtigkeit und Raumklima, ist rein mineralisch und schadstofffrei, verbraucht in Gewinnung und Verarbeitung kaum Primärenergie und lässt sich vollständig wiederverwenden oder im Garten entsorgen. Er speichert Wärme, dämpft Schall und ist bei kleinen Schäden einfach selbst zu reparieren.
Die Grenzen: Lehm ist feuchteempfindlich. An dauerhaft bewitterten Aussenflächen oder bei direktem Spritzwasser braucht er einen konstruktiven Schutz – ungeschützt würde er auswaschen. Gegenüber zementgebundenen Baustoffen hat er eine geringere Abrieb- und Druckfestigkeit und eignet sich ohne Zusätze nicht für tragende Bauteile. Auch die Trocknungszeiten sind länger, und der hohe Handarbeitsanteil macht hochwertige Lehmoberflächen aufwändiger. Richtig eingesetzt – vor allem im Innenausbau – überwiegen die Vorteile jedoch klar.
Anwendungsformen für den Hausbau
Beim Bau eines Hauses – ob Neubau oder Umbau – gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit Lehm zu arbeiten.
Lehmputz erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Er trägt zu einem gesunden Raumklima bei, bindet unangenehme Gerüche und Schadstoffe und ist einfach anzuwenden. Im Wesentlichen gibt es Grund- und Feinputz: Mit dem Grundputz werden auf Bauplatten Unebenheiten ausgeglichen, der Feinputz bildet die letzte Schicht.
Lehmsteine bestehen aus Lehm und weiteren Materialien wie Hanf oder Stroh. Die Herstellung durch Pressen und Trocknen ist energiesparend. Schwere Steine eignen sich für tragende Mauern, leichte vor allem für die Ausmauerung von Aussenwand-Gefachen.

Lehmbauplatten ersetzen im Trockenbau die Gipskartonplatte. Sie enthalten oft Zusätze wie Hanf, Strohhäcksel oder andere Pflanzenfasern – verwandt mit dem Prinzip von Dämmen mit Hanfkalk. Die Platten werden an einem Holzständer befestigt und nach der Montage verputzt.
Häufige Fragen zu Lehm als Baustoff
Woraus besteht Lehm?
Lehm ist eine natürliche Mischung aus Ton, Sand und Schluff. Der Tonanteil bestimmt die Bindekraft: tonreiche («fette») Lehme binden stärker, tonarme («magere») Lehme sind durchlässiger und rissärmer.
Was ist der Unterschied zwischen Lehm und Ton?
Ton ist ein feinkörniges, plastisches Mineral und der bindende Bestandteil. Lehm ist das daraus – zusammen mit Sand und Schluff – entstehende, gebrauchsfertige Baumaterial.
Welche Nachteile hat Lehm als Baustoff?
Lehm ist feuchteempfindlich und braucht an bewitterten Aussenflächen einen konstruktiven Schutz. Er hat eine geringere Festigkeit als zementgebundene Stoffe, trocknet langsamer und erfordert mehr Handarbeit. Im Innenausbau überwiegen die Vorteile jedoch klar.
Ist Lehmputz für das Bad geeignet?
Ja, für Wände, die nicht direkt mit Spritzwasser in Berührung kommen. Lehm nimmt Feuchtigkeit auf, wodurch der Spiegel weniger beschlägt. Im Nassbereich setzen wir idealerweise Lehmbauplatten ein.
Reguliert Lehm die Luftfeuchtigkeit im Raum?
Ja. Lehm nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, sodass sich die Raumluftfeuchte über die Zeit zwischen etwa 45 und 60 Prozent einpendelt. Er kann rund neunmal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Gips.
