Mit CycloDextrin behandeltes Holz. Daher die weissen Flecken

CycloPlasma: Holzschutzmittel belastetes Holz sanieren

Stand August 2026 — Erfolgskontrolle noch offen

Wir haben dieses Verfahren 2024/25 in einem Pilotprojekt eingesetzt und dokumentieren es hier. Eine abschliessende Raumluftmessung des Endzustands liegt bis heute nicht vor. Aus einem anderen Objekt in der Deutschschweiz wurde uns im August 2026 gemeldet, dass die Luftwerte dort nach der Behandlung weiterhin zu hoch sind. Dieser Beitrag ist deshalb ein Erfahrungsbericht und ausdrücklich keine Empfehlung. Wer eine Sanierung plant, klärt Wirkungszusagen, Zielwerte und Gewährleistung vorgängig schriftlich mit dem Anbieter.

CycloPlasma ist ein innovatives Verfahren zur Sanierung von Holzoberflächen, die mit gesundheitsschädlichen Holzschutzmitteln wie Pentachlorphenol (PCP) und Lindan belastet sind. Diese Stoffe wurden in den 1970er und 1980er Jahren häufig verwendet und gelten heute als krebserregend und neurotoxisch. In Deutschland und der Schweiz sind schätzungsweise Millionen von Gebäuden potenziell kontaminiert.

Dr. Sailer von RESA Chemicals zeigt wie Cycloplasma funktioniert.

Was ist CycloPlasma?

Die CycloPlasma-Methode kombiniert zwei Technologien, um kontaminierte Holzoberflächen effektiv und nachhaltig zu sanieren, die Raumluftqualität zu verbessern und gleichzeitig den historischen Wert der Immobilie zu erhalten.

Dekontamination des Holzes (CycloDextrin)

Zunächst werden die belasteten Holzoberflächen vorbereitet: alte Farbschichten werden entfernt und die Oberflächen gereinigt. Anschliessend wird eine Lösung mit sogenannten Cyclodextrinen aufgetragen. Diese ringförmigen Moleküle sollen die Schadstoffe einkapseln und im Holz immobilisieren, sodass sie nicht weiter ausdünsten. So die Funktionsweise, wie sie der Anbieter beschreibt.

Reinigung der Raumluft (CycloPlasma)

Während der Behandlung können Schadstoffe in die Raumluft übergehen. Ein Plasma-Luftreiniger zerstört diese freigesetzten Schadstoffe durch elektrische Spannung und reinigt so die Raumluft während des gesamten Prozesses.

Was das Verfahren verspricht — und was davon belegt ist

Der Anbieter formuliert drei Versprechen. Wir ordnen sie nach dem heutigen Stand ein.

Gesundheitsschutz. Das Verfahren soll die Schadstoffkonzentration in der Raumluft unter die kritischen Werte senken. Das ist die Angabe des Anbieters. Aus unserem eigenen Pilotprojekt liegt keine Abschlussmessung vor, und aus einem uns bekannten weiteren Objekt wurde das Gegenteil gemeldet. Wir betrachten dieses Versprechen als unbelegt.

Substanzerhalt. Hier können wir mitreden: Das sichtbare Fachwerk und der Dachstuhl blieben offen, ohne absperrende Anstriche und ohne Einpacken. Das hat funktioniert und ist bei einem geschützten Gebäude ein realer Unterschied — unabhängig davon, wie die Schadstofffrage ausgeht.

Nachhaltigkeit. Bleibt das Holz im Haus, fällt kein Sondermüll an. Das gilt allerdings nur, solange die Sanierung wirkt. Muss später doch ausgebaut werden, ist der Aufwand zusätzlich angefallen. Diese Rechnung geht erst mit einer bestandenen Erfolgskontrolle auf.

Pilotprojekt CycloPlasma in Bad Zurzach

Fachwerkfassade zur Quartierstrasse
die alte Stube vor dem Umbau

Im Rahmen eines Pilotprojekts sanierten wir ein Wohnhaus aus dem Jahr 1840 in Bad Zurzach. Das historische Gebäude wies eine deutliche Belastung des Holzfachwerks und des Dachstuhls mit PCP und Lindan auf. Laborwerte zeigten PCP-Werte bis zu 720 mg/kg Holz — besonders betroffen waren Dachsparren und Deckenbalken mit dunklen Schutzanstrichen.

Gesucht war eine Lösung, die ohne absperrende Anstriche oder das Einpacken der sichtbaren Holzelemente auskommt. Die Wahl fiel auf die CycloPlasma-Methode.

Vorgehen bei der Sanierung

Dr. Sailer von RESA Chemicals zeigt das Holzpeeling

1. Reinigung der Holzoberflächen

Die belasteten Holzbalken waren mit einem dunklen Schutzanstrich versehen. Dieser wurde mit einem speziellen Holz-Peeling entfernt, das die alte Beschichtung löst und das Holz wieder aufnahmefähig macht.

2. Fixierung der Schadstoffe im Holz

Nach der Reinigung wurde eine Aktivlasur mit Cyclodextrinen aufgetragen. Sie soll tief ins Holz eindringen und die Schadstoffe binden, damit sie nicht mehr ausdünsten. Ob und wie dauerhaft das gelingt, zeigt allein die Messung des Endzustands.

3. Behandlung anderer Flächen

Auch Wände, Verkleidungen und andere betroffene Flächen wurden mit einer wässrigen Lösung behandelt, um mögliche Schadstoffe zu neutralisieren. Das Vorgehen war aufwändiger als ursprünglich geplant — aber notwendig, um das Holz sichtbar und offen belassen zu können.

Was wir heute wissen — und was nicht

Wir haben diesen Beitrag im März 2025 geschrieben, mitten in einem laufenden Pilotprojekt. Damals war die Behandlung angelaufen und die Zwischeneindrücke waren gut. Seither ist zweierlei passiert.

Erstens: In Bad Zurzach führt die Bauherrschaft grosse Teile des Umbaus in Eigenleistung aus. Das Haus ist deshalb bis heute nicht in dem Zustand, in dem eine saubere Abschlussmessung Sinn ergibt. Wir haben also nach über einem Jahr keine Zahl, die den Erfolg belegen würde — und ohne Zahl gibt es keinen Erfolg, nur einen Eindruck.

Zweitens: Im August 2026 hat uns eine Immobilienverwaltung mitgeteilt, dass die Sanierung an ihrem Objekt bisher gescheitert ist. Die Luftwerte liegen dort nach der Behandlung weiterhin über den Zielwerten. Wir kennen die Details dieses Objekts nicht — andere Holzart, andere Belastung, anderer Bauablauf — und können deshalb nicht beurteilen, ob das am Verfahren liegt oder an den Umständen. Aber es ist ein Signal, das wir nicht für uns behalten.

Wir lassen diesen Beitrag online, weil das Thema real ist: In der Schweiz stehen sehr viele Gebäude mit PCP- und lindanbelasteten Hölzern, und die Alternative heisst meistens Ausbauen und Entsorgen. Ein Verfahren, das die Substanz erhält, wäre ein grosser Fortschritt. Was wir nicht tun: es empfehlen, bevor es gemessen ist. Sobald unsere Abschlussmessung vorliegt, steht das Ergebnis hier — auch wenn es unangenehm ist.

Häufige Fragen zu CycloPlasma

Wie lange dauert eine Behandlung?

Es wird mit einer Behandlungsdauer von ca. 2 Monaten gerechnet. Ab Beprobung muss insgesamt mit rund drei Monaten gerechnet werden.

Müssen Bauarbeiten während der Behandlung gestoppt werden?

Nein. Arbeiten, die nicht in Kontakt mit dem kontaminierten Baustoff kommen, können mit geringen Schutzmassnahmen weitergeführt werden. Das CycloPlasma reinigt die Raumluft während der gesamten Behandlungsdauer kontinuierlich.

Kann das Produkt fertig gekauft werden?

Nein. Da jede Holzart anders ist und die Holzschutzmittel unterschiedliche Zusammensetzungen haben, wird jede Rezeptur individuell hergestellt.

Gibt es eine Garantie auf den Erfolg?

Das ist die entscheidende Frage, und sie gehört vor den Vertrag. Lassen Sie sich schriftlich geben: welche Zielwerte erreicht werden, wie und von wem gemessen wird, und was passiert, wenn die Werte nach der Behandlung zu hoch bleiben — Nachbehandlung, Kostenfolge, Gewährleistungsfrist. Fehlt eine dieser Angaben, tragen Sie das Risiko allein.

Würden Sie das Verfahren heute wieder einsetzen?

Nur mit einer schriftlichen Wirkungszusage und mit einer Erfolgskontrolle, die vor Baubeginn terminiert und budgetiert ist. Ohne diese beiden Punkte raten wir derzeit ab.

Weiterführende Informationen: CycloPlasma – Fraunhofer IBP

Wenn Sie ein belastetes Haus vor sich haben

Der erste Schritt ist nicht die Wahl des Verfahrens, sondern eine saubere Grundlage: Wo ist was belastet, in welcher Konzentration, und was heisst das für die geplante Nutzung? Diese Beprobung kostet einen überschaubaren Betrag und entscheidet über alles Weitere. Wir machen das regelmässig und ordnen die Befunde ein, bevor Sie sich für einen Weg festlegen müssen — melden Sie sich für ein Erstgespräch.

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